Hemerocallis-Züchtung

Es wurde schon erwähnt, dass der Schwerpunkt der Taglilienzüchtung in den USA liegt. In den letzten Jahren haben immer mehr der bedeutenden amerikanischen Züchter ihre Züchtungsgärtnereien in die tropischen Teile der USA verlegt, weil dort die Vermehrungsbedingungen ideal sind. Dies hat u.a. dazu geführt, dass unter den Neuzüchtungen der Anteil der immergrünen Sorten ständig anwächst, weil einziehende Sorten unter diesen Bedingungen weniger gartenwirksam sind.

Die Fachgruppe Hemerocallis der GdS hat es sich deshalb zum Ziel gesetzt, durch eigene Züchtungsbemühungen unter ihren Mitgliedern dazu beizutragen, dass die modernen Entwicklungslinien der Taglilien auch in solche Sorten einfließen, die unter mitteleuropäischen Klimabedingungen wertvolle und beständige Gartenpflanzen sind. (Ergebnisse der Bewertung europäischer Züchtungen )

Wie eine Kreuzung vorgenommen wird

Bei der Taglilien-Züchtung werden in der Regel zunächst Sorten oder Elite-Sämlinge mit besonders wertvollen Eigenschaften untereinander gekreuzt. Dabei sind Kreuzungen in der Regel nur innerhalb einer Ploidie-Gruppe möglich (also Diploide mit Diploiden und Tetraploide mit Tetraploiden). Die Durchführung einer Kreuzung ist einfach: Auf die Narbe bringt man etwas Blütenstaub auf, den man entweder aus einer am gleichen Tag blühenden Blüte entnimmt oder den man für einige Tage kühl und abgedunkelt (z.B. im Keller) gelagert hat. Die Bestäubung nimmt man am besten während der Vormittagsstunden vor (bei nachtblühenden Sorten am frühen Abend). Wenn regnerisches Wetter droht, oder wenn die Zahl der pollenfressenden Schwebfliegen groß geworden ist, empfiehlt sich die Abdeckung der Narbe mit einem Hüterli, das aus etwas Aluminiumfolie über dem stumpfen Ende einer Kugelschreibermine geformt wird. Man schiebt es über die Narbe und drückt es seitlich sanft zusammen.

Nach der Bestäubung kennzeichnet man die betroffene Blüte mit einem windsicher angehängten Schildchen, das eine Identifizierung der Eltern des erwarteten Samens ermöglicht. Man schreibt entweder den Namen  der Elternpflanzen mit Bleistift auf das Schildchen oder man hängt nur eine laufende Nummer an, die auf eine Eintragung im Zuchtjournal verweist. - Nicht alle Bestäubungen führen zu einer Samenkapsel; manche Kultursorten sind samensteril und können mit Erfolg nur als Pollenspender eingesetzt werden. Extrem hohe Umgebungstemperaturen sind für den Erfolg von Bestäubungen ebenfalls schädlich.

Samenernte

Die Samen erntet man am besten sofort, wenn die Kapseln aufplatzen. Man entfernt äußerlich anhaftende Feuchtigkeit und lagert sie ohne Trocknung in dicht verschlossenen Plastiktütchen für 4 – 6 Wochen im Kühlschrank bei 3 – 4 oC. Nach Aussaat bei Zimmertemperatur keimen die Samen dann sofort mit sehr guter Ausbeute. Hat man Samen erhalten, der nicht gekühlt gelagert wurde und der ausgetrocknet ist, so ist ein mehrtägiges Einquellen der Samen in Wasser vor der Aussaat für die Keimung nützlich.

Aussaat

Will man nach Ende der Frostperiode kräftige Sämlinge zum Auspflanzen zur Verfügung haben, sät man am besten um die Jahreswende aus und zwar jeweils ein Samenkorn in einen 7x7cm-Plastiktopf, und kultiviert die entstehenden Sämlinge auf dem Fensterbrett und/oder unter künstlichem Licht bis Anfang Mai. Ein Großteil der dann ausgepflanzten Sämlinge wird im darauffolgenden Jahr zur Blüte kommen.

Aus den erhaltenen Sämlingen werden zunächst anteilmäßig wenige Elite-Sämlinge und aus diesen, nach weiterer Beobachtung in den folgenden Jahren, sehr wenige Namenssorten selektiert.

In der Regel geht man bei der Züchtung so vor, dass man die besten verfügbaren Kulturformen untereinander kreuzt. In den letzten Jahren hat aber auch die Einkreuzung von Wildformen wieder an Bedeutung gewonnen, weil damit das Spektrum des Erbmaterials erweitert werden kann, das sich  interessanterweise trotz der enormen Vielfalt der Kulturformen bei DNA-Untersuchungen als relativ eng, verglichen mit der genetischen Breite der Wildartengruppe, herausgestellt hat.  

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